Arznei Efeu
Es gibt 15 verschiedene Efeuarten, die vom Mittelmeerraum bis nach Ostasien verbreitet sind.
Der Arznei-Efeu, von dem hier die Rede ist, wächst in unseren Breiten und heisst botanisch "Hedera helix Linné".
Der Efeu "klettert" mit seinen kleinen Haftwurzeln an Mauern, Bäumen und Felsen hoch, bis in eine Höhe von über 20 Metern. Allerdings kann er auch am Boden und dort in die Breite wachsen. Er liebt schattige Orte, braucht viel Feuchtigkeit und ist das ganze Jahr über grün. Eine Efeupflanze kann 200 bis 300 Jahre alt werden. Es wurden sogar schon Exemplare entdeckt, die 450 Jahre alt waren. D.h., die ältesten Efeupflanzen, die es heute gibt, stammen aus dem Jahr 1550.
Wirkung
Von aussen sieht man dem Efeu nicht an, was in ihm steckt. Die wirksamen Inhaltsstoffe des Efeus heissen "Saponine" und verbergen sich hauptsächlich in den Blättern der Pflanze. Wenn man Saponine in Wasser löst, schäumen sie. Daher auch der Name, von lateinisch "sapo" (= Seife).
Wirkstoffgewinnung
Der Wirkstoff in Prospan ist ein Extrakt aus Efeublättern. Um diesen Extrakt in gleichbleibend guter Qualität zu erhalten, ist eine genaue Einhaltung der standardisierten Arbeitsbedingungen eines mehrstufigen Gewinnungsprozesses erforderlich. Dabei werden die getrockneten Blätter zunächst mit einem Gemisch aus Wasser und Alkohol gespült, wodurch die Inhaltsstoffe herausgelöst werden. Nach dieser sog. Extraktion wird der Alkohol wieder entfernt und das verbleibende Konzentrat getrocknet. Jetzt liegen die Inhaltsstoffe in reiner Form vor. Dieser sog. Trockenextrakt wird dann so weiterverarbeitet, dass in der jeweiligen Darreichungsform (Saft, Tropfen) immer der gleiche Anteil an Inhaltsstoffen der Efeublätter enthalten ist.
Geschichte
Schon Hippokrates, der "Vater der Medizin" (460 bis etwa 375 v. Chr.), hat dem Efeu zu ungemeiner Popularität als Arzneipflanze verholfen. Er wusste allerdings noch nichts von den heilenden Inhaltsstoffen. Vielmehr glaubte er an Götter und Geister, die in den Pflanzen leben und ihnen so die Heilkraft verleihen.
Auch Dioskurides (um 40 bis 90 n. Chr.), Militärarzt unter Nero, und über tausend Jahre später Hildegard von Bingen (1098 bis 1179) schätzten die Heilkraft des Efeus sehr. Hildegard empfahl sie allerdings nur zur äusserlichen Anwendung und lieferte für ihre Wirkung eine damals geläufige Erklärung: Die Krankheit trete vom Menschen in die Pflanze über.
Symbolik
Schon früh war Efeu das Symbol für Fruchtbarkeit und Unsterblichkeit. Das liegt sicher daran, dass er sehr beständig und das ganze Jahr über grün ist. Die frühen Christen betteten ihre Toten auf Efeulaub, wir finden Efeudarstellungen in vielen mittelalterlichen Kirchen, und auch noch heute findet man Efeu auf vielen Gräbern.
Wein und Efeu tauchen in der griechischen Antike oft gemeinsam auf. Der feurige Charakter des Weines findet in dem schattigen, kühlen Efeu seinen Ausgleich. Beispielhaft dafür steht Dionysos, der griechische Gott des Weines, des Rausches und der Fruchtbarkeit. Er wurde bei seiner Geburt von einem Efeutrieb gerettet und trägt deshalb den Beinamen "Kissos" (= Efeu).


